Yachtcharter in Zeiten von Corona

Wie alles begann

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Wir waren auf Antigua und haben zusammen mit dem Team vom The Austrian Ocean Race Project die Regatta Rorc600 bestritten. Es war an dem Abend vor dem Rennen, als Thomas, ein Crewmitglied aus Österreich, besorgt von seinem Smarthpone aufschaute. „In Italien sind ganze Städte wegen des neuen Virus abgesperrt“. Ich wusste zuerst nicht so genau, wie ich das einordnen sollte. War das echt? Sollte ich mich Sorgen machen? Würde Corona die Yachtcharter Branche beeinflussen? Solche Hiobsbotschaften gab es doch sonst immer nur über Regionen auf der Welt, die fern von uns waren. Offen gesagt, beschäftigte mich diese Nachricht nicht sonderlich. Ich war mich sicher, dass das Problem bald gelöst, bzw. die Ausbreitung des Virus uns in Deutschland oder Österreich nicht erreichen würde.

Karibik im Februar 2020 – Sorgenfrei Arm in Arm…

Der Anfang vom Ende?

Auf dem Weg zurück nach Deutschland kamen mir am Flughafen immer mehr Menschen mit Masken entgegen. Etwas komisches stieg in mir auf. Vielleicht war es auch ein wenig Unsicherheit, die ich empfand. Wussten sie etwas was ich nicht weiß?

In den nächsten Tagen beschäftigte ich mich gemeinsam mit unserem Team eingehender mit dem Thema Corona. Die Aktuelle Situation war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht besorgniserregend. Es gab zwar Infektionen aber eine Gefahr war nicht zu spüren. Unsere Buchungen waren voll im Gange, die Kunden planten Ihre Urlaubstörns und die Messe in Tulln stand vor der Tür. Kurz vor der Messe jedoch wurde uns klar, wie sehr sich die Situation offensichtlich zugespitzt hatte. Um Haaresbreite wäre die Messe abgesagt worden. Dank vorblildlicher Sicherheits- und Hygienemaßnahmen, konnte die Messe stattfinden. Es sollte jedoch nicht mehr lange dauern und die Grenzen würden geschlossen werden, wir würden alle samt im Home Office arbeiten und selbst das Verlassen des eigenen Heims, würde eine Ausnahme bedeuten…

Die Schutzmaske – Heute gehört sie zum Alltag

Shutdown! – Was passiert mit meinem Törn?

Der Shutdown traf uns alle wie ein Donnerschlag. Die Grenzen waren dicht, Flugzeuge durften nicht starten und die gebuchte Yacht war nicht mehr zu erreichen. Unser Telefon stand nicht mehr still. Besorgte Kunden wollten wissen wie es um Ihren geplanten Törn stehen würde und welche Möglichkeiten sie hatten. Wir reagierten mit YouTube Videos und Audio Podcast Folgen, in denene wir die aktuelle Situation zum Thema Yachtcharter und Corona, für die Charterkunden ausführlich erklärten. Newsletter wurden verschickt und Kunden im Vorfeld informiert.

Kundenberatungen mal anders. Aufklärungsarbeit zum Thema Yachtcharter und Corona

Mietrecht statt Reiserecht und die Kullanz der Vercharterer

Der Yachtcharter Vertrag unterliegt dem Mietrecht und nicht wie oft vermutet, dem Reiserecht. Die Vercharterere waren demnach nicht verpflichtet, bereits gezahlte Charterpreise zurückzuerstatten. Dennoch war den Vercharterern klar, dass sie die Kunden in dieser Situation nicht hängen lassen konnten. Ausnahmslos waren die Vercharterer, mit denen wir als Agentur zusammenarbeiten, dazu bereit, die Törns der Kunden auf einen späterern Zeitpunkt zu verschieben. Dennoch – es war ein saurer Apfel für alle Beteiligten. Der Vercharterer verbaute sich somit seine zukünftigen Auslastungen, der Kunde musste seine Urlaubspläne neu sortieren und wir als Agentur hatten die Arbeit, all diese Umbuchungen zwischen den Kunden und den Vercharterern zu vermitteln und abzuwickeln.

Die Flotten liegen im Hafen. Die Kunden können während des Shutdown nicht auf ihre Yachten

Yachtcharter in Zeiten von Corona ?

Eine weiteres Problem stand im Raum: Konnten man in Zeiten des Shutdwons einen Törn für die Zukunft buchen? Einige Kunden hatten damit offenbar überhaupt kein Problem und waren sich sicher, dass Corona im Herbs keien Rolle mehr spielen würde. Die meisten jedoch verzichteten auf ihre Yachtcharter aufgrund von Corona und wollten lieber abwarten um sicherzugehen, wie die Situation sich entwickelt.

Die Vercharterer reagieren auf Corona

Diese Entwicklung wurde von den Vercharterern sehr schnell erkannt. Man änderte daraufhin die Buchungsbedingungen, indem man zum Beispiel die Anzahlungen für neue Buchungen auf bis zu 20% und teilweise sogar auf nur 10% der Chartersumme reduzierte. Die Restzahlung war erst kurz vor dem Törn fällig. Auch die Stornogebühren wurden rapide herabgesetzt. Außerdem brachten die meisten Firmen sogeannte Covid19 Regularien heraus, in denen geregelt war, welche Regeln für eine Yachtcharter im Zusammenhang mit der Corona Pandemie gelten. All dies zugunsten der Kunden – in der Hoffnung, dass die Buchungen wieder zunemen.

Die Corona Zahlen sinken

Der Shutdown ist zwar hat, aber er wirkt. Die Zahlen der Corona Neuinfektionen sinkt merklich. Erste Lockerungen werden erlassen. Doch erst als die Grenzen zum Beispiel nach Kroatien wieder geöffnet werden und die Menschen die Möglichkeit haben dort zu segeln, steigen die Buchungen wieder an.

Die ersten Grenzöffnungen – Endlich wieder segeln!

Die ersten Schiffe stechen wieder in See!

Yachtcharter trotz Corona war wieder möglich. Die Deutschen segelten vor allem an der Ostseeküste, da man hier überhaupt keine Grenzen überqueren musste. Langsam aber sicher war es wieder möglich, einen Törn zu unternehmen. Es folgten daher zahlreiche kurzfristige Buchungen, die in erster Linie in Kroatien stattfanden. Die Flotten hatten sich perfekt auf die neue Situation eingestellt und neue Hygiene- und Sicherheitesvorkehrungen getroffen, um einer Verbreitung des Corona Virus bestmöglich entegenzuwirken. Es sah soweit alles wieder ganz gut aus…

Die Reisewarnung

Es ist inzwichen August und die Zahlen der Corona infizierten Menschen steigt wieder an. Statt eines Shutdowns beschließen die Länder sogenannte Reisewarnungen auszusprechen. Dies beinhaltet den dringlichen Rat, unnötige Reisen in die betreffenden Länder nicht zu unternehmen. Österreich spricht für Kroatien eine Reisewarnung der Stufe 6 aus. Rechtlich steht einem Törn nichts im Wege. Die Yachten sind verfügbar und das Personal der Basis arbeitet. Das Problem ist ein Anderes: Wer aus einem Risikogebiet zurückkehrt und sich nachweislich dort angesteckt hat, hat für die Zeit der Quarantäne keinen Anspruch auf eine Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. In Deutschland wird dieser Ausfall aktuell jedoch aus behördlichen Quellen dem Betroffenen erstattet. Dennoch – Die Kunden sind verunsichert und sehen Ihren Arbeitsplatz als gefährdet.

Der Corona Test – Unerlässlich für Urlauber aus Risikogebieten. BIld: Adobe_Ralf Geithe

Die Angst um den Arbeitsplatz

Erneut melden sich viele Kunden, deren Törn kurz bevorsteht. Sie wollen die Charter verschieben, da sie sich nicht trauen und das Risiko nicht eingehen möchten, aufgrund der Reisewarnung Ihren Arbeitsplatz zu gefährten. Doch die Situation ist nicht mit der aus der Zeit des Shutdown zu vergleichen. Entegen der Zeiten, in denen die Grenzen geschlossen waren ist eine Einreise in ein Gebiet, welches einer Reisewarnung unterliegt keineswegs verboten. Dem Törnantritt steht somit rein rechtlich nichts im Weg.

Eine Unternehmerische Entscheidung für den Flottenanbieter

Aufgrund dieser Situation besteht der Großteil der Vercharter auf die bestehende Charter und genehmigt keine Verschiebung des Törns. Der Kunde muss den Törn wahrnehmen oder die Charter verfällt. Wer jetzt diese Vercharterer verurteilt, muss sich fairerweise auch deren Situation vor Augen halten. Je mehr Törns verschoben werden, desto kleiner wird die Verfügbarkeit der Schiffe für die kommende Saison, welche durch frische Buchungen, wichtige Einküfte sichern würden. Trotzdem gibt es Vercharterer wie zum Beispiel Pitter Yachtcharter aus Österreich, die den Kunden aktuell auch in dieser Situation eine Verschiebung der Charter anbieten. Eine absolute Ausnahme, die nur von den wenigsten Flotten gewährt wird.

Die Vercharterer können sich größtenteils keine Umbuchungen leisten

Wie entscheide ich mich als Charterkunde?

Die Entscheidung, ob man bei einer bestehenden Reisewarung einen Törn in Anspruch nehmen sollte oder nicht, kann man niemandem abnehmen. Unser Tipp ist es, auf jeden Fall über uns bei dem Vercharterer nachfragen zu lassen, ob es eine kullante Lösung geben kann. Wenn dem nicht so ist, und der Törn noch nicht kurfristig bevorsteht, ist es ratsam erst mal abzuwarten. Wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass sich die Situation wöchentlich, wenn nicht sogar täglich, ändern kann. Sollte sich die Situation verschlechtern und die Grenzen geschlossen werden, darf man als Kunde mit einer Verschiebung des Törns rechnen. Und sollte sich die Situation bessern und die Reisewarnung wegfallen, fällt das Problem ohnehin weg.

Segeln in Zeiten von Corona – warum nicht?

Als positiven Schluss möchte ich erwähnen, dass natürlich trotzdem viele Menschen aktuell ihre Yachten in den als Risikogebiet ausgeschriebenen Gebieten übernehmen. Die Rückmeldungen, die wir erhalten sind absolut positiv.

Zeit, dass wir wieder aufs Wasser kommen… Bild: Marcel Gollin

Mein Fazit ist, dass es sehr unwahrscheinlich ist, sich auf einem Segeltörn mit Corona anzustecken. Die Sicherheit auf dem Wasser, erklärt sich von selbst und wer sich bei der An- und Rückreise entsprechend verhält, setzt sich ebenfalls keiner Ansteckungsgefahr aus. Am Ende liegt es wohl in erster Linie an uns, welchem Risiko wir uns aussetzen. Ein Segeltörn dürfte wohl eine der sichersten Möglichkeiten darstellen, seinen Urlaub zu verbringen. Denn nicht vergessen – für manche Länger ist auch Deutschland aktuell ein Risikogebiet

Bildnachweis: Hauptbild by Adobe_Alina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.